Fundsachen

In den letzten Tagen sind wir im Haus an einigen Stellen „fündig“ geworden. Ich gebe zu, Heinzi Schliemann würde unsere Schätze nicht gerade in eine Reihe mit seinen Troja-Pötten stellen (und wir ehrlicherweise auch nicht), aber spannend wars schon.
Im 2. OG entdeckte Dirk beim Anheben einer Schicht Linoleum  auf dem Treppenabsatz  eine bäuerlich-rustikale, auf den ersten Blick magyarisch anmutende „Fußbodendielenmalerei“, die so recht zum Charakter unseres Ruinchens paßt.

Bei dem Versuch sie zu datieren stießen wir aber später auf eine zweite Schicht Linoleum und so hakten wir diesen ersten Schatz ab als „Baumarkt, vom laufenden Meter, 20. Jahrhundert, gut erhalten, aber trotzdem ein Fall für die Kippe“. Uff, nochmal Schwein gehabt… 😉

Ebenfalls im 2. OG hatten wir bereits bei den ersten Besichtigungen mit Hilfe einer Taschenlampe unter zentimeterdicken Lehmschichten Reste einer mindestens prähistorischen Höhlenmalerei erspäht. Ich glaube, unsere kleinen Helferlein der letzten Woche spekulierten bereits auf Dinosaurier oder so…

Mein Plan A war; freilegen, abnehmen, aufheben, rahmen und aufhängen. Also später mal…  So machte ich mit gestern mittels eines niegelnagelneuen Spachtels versuchsweise ans Werk, nur um am Ende feststellen zu müssen, daß in früheren Zeiten die Handwerker noch ordentlich gearbeitet haben. Sprich: einem Vorbewohner gefiel diese gar zierliche Malerei, die man in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts vielerorts als Tapeten-Ersatz betrachtete, nicht mehr und er beaufragte einen fleißgen Lehmwerker mit Putzarbeiten, worauf dieser Mann also gründlich den Grund grundierte 😉 und dabei fein säuberlich den Untergrund aufrauhte, dabei so ziemlich jedes einzelne Ornament ankratzte und damit zerstörte.

Tja, also wird das nichts mit dem Plan A (s.o) und somit tritt Plan B in Kraft: Foto gemacht, Spaß gehabt und gut ist es.

Allerdings hat uns diese Entdeckung im Bezug auf die Einschätzung des sog. Kratzputzes im Dachgeschoß weitergebracht.

Der erste Architekt –  eben der, der den 2. Keller partout nicht entdeckt und den Einstieg in selbigen großzügig übersehen hat – hatte uns glauben machen wollen, daß der Kratz – bzw. Ornamentputz ein Zeichen dafür sei, daß die jetzige Innenwand in grauer Vorzeit eine Außenwand gewesen sei.

Nachdem wir jedoch nun im 2. OG die gleichen „Kratzornamente“ auf  allen Innenwänden entdeckt haben, gibt es unserer bescheidenen Meinung nach nur einen einzig zulässigen Schluß: es handelt sich bei den „Ornamenten“ schlicht und ergreifend  um aufgerauhte Flächen zur besseren Haftung für den Feinputz. Und das macht dann alles in allem auch endlich wieder einen Sinn.

7 comments to Fundsachen

  • Ole

    Zum Thema Wandmalerei und aufgekratzten Innenwandflächen kann ich mich übrigens nur anschließen (von wegen ehemals eine Außenwand). Wir haben das Phänomen der aufgerauhten Wände auch beobachten können und haben uns ebenfalls zum Abfotografieren entschlossen, denn viel ist von der Malerei leider nicht übrig geblieben.

    In welchem Zustand sind denn eure Wände / Gefach? Habt ihr mal eine Spitzhake reingeschlagen um die Festigkeit zu ermitteln – vielleicht an einer Stelle die ohnehin abgerissen werden soll? Wir waren am Anfang sehr sehr vorsichtig, doch letztendlich haben wir einfach alles rausgerissen und hätten wir diese Entscheidung gleich getroffen wären wir jetzt weiter 🙂

  • Angelika

    Meine Rede… also das mit dem Runter-/Raus-/Abreißen!
    Den Spitzhacken-Härtetest trauen wir uns grad nicht (Dirk, LASS es!!! 😉 ): am Ende fällt das Haus noch um. Natürlich nur vor lauter Schreck… nicht etwa, weil es da kleinere statische Problemzonen oder so gäbe… *hüstel*

    Also: der Wandbereich an der Stelle mit der ansatzweise freigelegten Wandmalerei ist nach meinem Dafürhalten fällig: die dicken Lehmputzschichten kann man ohne großen Kraftaufwand regelrecht abreißen. Den alten Lehm möchte ich auch nicht wiederaufbereiten, sondern wirklich komplett neu auf-und verputzen.
    Ich glaube und fürchte, Dirk sieht das etwas anders… 😉
    Die Wand an dieser Stelle besteht aus Lehmziegeln, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, und ist ziemlich hinfällig. Ich denke, die müßte eh raus und neu aufgemauert werden. Aber soweit sind wir noch nicht, das wird der Architekt unseres Vertrauens entscheiden.
    Ich werde mir das eine oder andere brauchbare Stückchen aus der Wandmalerei abnehmen und mit anderen Fundsachen (z.B. dem alten Hufeisen) zu einer Art „Ruinen-Collage“ verarbeiten.

  • Ole

    So war das bei uns auch. Am Anfang dachten wir noch alles könnte stehen bleiben. Wir begannen irgendwann mal die Wände abzuklopfen und bemerkten, dass einige Gefache sich etwas bewegten. Im Innenraum hätte uns das nicht wirklich gestört aber für die Außenwände, die immerhin eine Dämmfunktion erfüllen sollen, war das ganz und gar nicht akzeptabel.

    An einigen Stellen kam der Ober bzw. Feinputz einfach so herunter und bei fast allen Lehmschlag-Ausfachungen mit Holzgeflecht konnte ich mit hintergehakter Spitzhacke das gesamte Gefach zweiteilen. Im Gegensatz dazu kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass die Lehmstein-Ausfachungen sehr solide sind. Leider gab es davon bei uns nicht sehr viele, die nicht ohnehin raus mussten wg. Fachwerk-Reparaturen.

    Den alten Lehm könnt ihr übrigens wunderbar als Bestandteil des neuen Lehmmörtels verarbeiten. Wir haben eine gesamte Außenwand mit alten Steinen und altem Lehm als Mörtel zugemacht aber es war ein ziemlicher Aufwand. Mit frischem Lehmmörtel und Lehmputz zu arbeiten geht sehr viel schneller und riecht auch besser. Denn der alte Lehm muss lange genug eingesumpft werden und dann riecht er etwas muffig 😛

    @Problemzonen: In Retrospekt wundert es uns übrigens, dass unser Haus überhaupt noch stand – da war kaum noch ein Ständer bis auf den Boden vorhanden und darunter fehlte dann eh die Schwelle 😀

  • Ole, Ole… Du machst uns ja Mut… Auch bei uns kommt der Oberputz in vielen Räumen großflächig runter – und ich kann noch nicht absehen, wie viele Gefache zum Beispiel beim Austauschen von Balken demoliert werden. Also: Wir müssen es abwarten – und vertrauen da auch auf unseren Architekten, der schon viele solche Ruinchen wieder zum Leben erweckt hat. Daumen-Drücken ist angesagt!

  • Ole

    Kopf hoch – wird schon alles! Aber nehmt euch die nächsten Wochenenden erstmal nichts vor 🙂

    Ich bin wirklich gespannt was euer Architekt sagt. Ein Bekannter von uns restauriert Kirchen und der kam ins Haus, schaute sich um und sagte: „Alles abreißen, alles entkleiden und dann nachschauen“. Das haben wir ihm nicht so recht glauben wollen…

    Wir drücken euch jedenfalls die Daumen, dass es alles gut verläuft!

  • […] von Dirk am 1. Mai 2012 Es wird mal wieder Zeit für ein “Fundsachen-Medley”, der erste und zweite Fundsachen-Artikel sind ja schon etwas älter. Auch wenn der “Schablonendekor a la […]

  • Also, das mit dem Kratzputz kann durchaus kompliziert sein, da gibt es nämlich beide Möglichkeiten, echter Kratzputz zur Verzierung und aufrauhen zum Feinputz aufbringen. Wie alter Kratzputz im Innenbereich aussieht kann man schön bei uns in Biedenkopf sehen, wir haben den in allen fünf Stockwerken, immer brav innen. Kratzputz für außen sieht dann wieder anders aus. Falls man mal bei uns in der Gegend ist, einfach klingeln und sich’s zeigen lassen. 🙂

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