Gelerntes. Erahntes. Erhofftes. Oder einfach: Glück

Eine kleine Sammlung – was haben wir bei unserem Ruinchen-Projekt bisher gelernt (klingt ganz schön trocken…)? Was ahnen wir, was gut wäre oder ist? Was hoffen wir, dass es uns hilft? Und wo hatten wir bisher einfach Glück – und davon ganz schön viel? Relativ unsortiert – und wenn’s Spaß und schön macht, aktualisieren wir den Artikel einfach, gell?

  • Sanierungskonzept: Das hat uns wirklich sehr geholfen. Wir haben ganz einfach vom ersten Tag an (also irgendwann Ende Dezember 2009) alle Informationen zum Ruinchen halbwegs strukturiert in ein Dokument gestopft – und das dann als „Sanierungskonzept“ jedem gegeben, mit dem wir übers Projekt gesprochen haben. Da kamen zum Beispiel auch Hinweise auf andere Einhäuser rein, wie wir das Ruinchen sanieren wollen, was wir dank einem unglaublich hilfreichen Geist aus dem Stadtarchiv herausgesucht bekamen… einfach alles. Dazu gab es von den braven Lesern dann Antworten, neue Hinweise, konstruktive Kritik – und so wuchs das Dokument von 50 auf mehr als 80 Seiten. Die wahrscheinlich kaum jemand komplett liest – aber es ist vermutlich für jeden etwas dabei. Die vielen Stunden waren jedenfalls gut investiert, wer will bei so vielen Seiten noch ignorieren, dass wir unser Ruinchen wirklich retten wollen?
  • Kurzfassung Konzept: Quasi die Management-taugliche Zusammenfassung des Sanierungskonzepts in 8 Folien/Slides. Die Erfahrung zeigt: Gut geeignet für Bürgermeister (sehr netter und hilfreicher Termin!) und Finanzexperten („… das Haus hat 1 Euro gekostet???“).
  • Freundliche und fröhliche Nachbarn: Sagten wir schon, dass wir uns in Butzbach sauwohl fühlen? Ganz anders als im hektischen Frankfurt kennt hier jeder (fast) jeden, da war es gut, so früh wie möglich nette Menschen kennenzulernen. Die uns zwar immer wieder sehr deutlich und ehrlich sagen, was wir uns da für eine Mammut-Aufgabe aufhalsen – sich aber darüber freuen, dass wir das Ruinchen retten wollen. Hoffentlich können wir ihnen allen beweisen, dass unser Ruinchen wunder-wunder-wunderschön wird…
  • Andere Besessene Experten: Früh schon sind wir in Kontakt gekommen zur Interessengemeinschaft Bauernhaus: Die IgB kümmert sich nicht nur um Bauernhäuser, sondern allgemein um alte schützenswerte Häuser. Hier fanden wir erstaunlich viel Unterstützung, sehr ungewohnte Forschungen („wie groß war das Vieh vor 200 Jahren?“, „war es in alten Bauernhäusern mit dem ganzen Vieh halbwegs warm – oder froren Bauern wie die Schneider?“) und mit dem günstigen Mitgliedschaftsbeitrag auch eine sehr preisgünstige Versicherung für uns als Bauherren. Und noch viel wichtiger: über die IgB haben wir unseren sehr erfahrenen Architekten gefunden.
  • Genau – Architekt! Ein Architekt, der nur 10 Minuten entfernt vom Ruinchen und in einem selbstrestaurierten Hof aus dem 16. Jahrhundert wohnt. Der schon x alte Häuser saniert hat, klar sagt was er denkt, nicht nach unserer Pfeife tanzt – sondern wir ihm vertrauen und auf ihn hören. Ein Architekt, der eine Stunde entfernt wohnt und arbeitet, kann sehr wahrscheinlich die Bauaufsicht nicht im gleichen Maß übernehmen.
  • Denkmalschutz: Egal wie die Behörde grade heißt, wir haben mit den Denkmalschützern bisher sehr gute Erfahrungen gemacht (toi, toi, toi! Hoffentlich bleibt das so!). Was aber auch daran liegen könnte, dass wir sehr früh mit der Unteren Denkmalschutzbehörde über unsere Ideen gesprochen haben – und unser Sanierungskonzept parat hatten. Darin steht – für Denkmalschützer vermutlich völlig ungewohnt! – dass wir eben keine Kunststofffenster wollen, keinen Bauschaum, sondern zum „System Fachwerkhaus“ passende Materialien. Und dass wir uns mit der Aussage „18. Jahrhundert“ nicht zufrieden gegeben haben, sondern so viele Informationen zum Haus gesucht haben wie irgend möglich.
  • Lehmbaukurs: Wir haben an einem Lehmbaukurs im Museumsdorf Volksdorf in Hamburg teilgenommen. Einerseits war es interessant, mal den Werkstoff Lehm kennenzulernen – aber auch, dort weitere Lehmpanscher Fachwerk-Freunde kennenzulernen, die grade ähnliche Projekte durchstehen.
  • „Schön restauriert“ ist nicht immer „schön“: Erfahrung von Bekannten aus dem Lehmbaukurs, aber auch von Besichtigungen. Oft gibt es wunderschön gepflegte Fachwerkhäuser, in denen der vorige Besitzer liebevoll wunderbares Baumarktmaterial untergebracht hat. Silikon, Akrylfarben und Schaumstoffisolierungen haben dann in den letzten Jahren ihr übriges getan, Manfred Gerners Buch „Fachwerksünden“ lässt grüßen… Tipp: das Buch kann man kostenlos (!) beim Deutschen Nationalkommitee für Denkmalschutz bestellen!

Werkzeuge & Material (neben dem was schon da war):

  • Schubkarre: Bloß nicht die billigste aus dem Baumarkt! Unsere war mit gut 100 Euro nicht billig, aber dafür ist es auch ok, wenn man Steine reinwirft, bis man das Ding kaum noch schieben kann.
  • Sackkarre (ein Schelm, wer böses dabei denkt!): Wie bei Schubkarren – nicht die billigste nehmen, das Ding soll die Bauzeit ja halbwegs überstehen. Klappbar und leicht scheiden da einfach aus. Luftreifen scheinen sich wie bei der Schubkarre zu lohnen. Und: Auch wenn ich gern online einkaufe, so was möchte ich erst ausprobieren. Im Baumarkt standen jedenfalls einige Sackkarren, bei denen der Praktikant beim Schweißen noch geübt hat.
  • Spaten: Ebenso wie bei Schubkarre und Sackkarre, billigst bringts einfach nicht. Unser Spaten ist zwar nur aus dem Baumarkt, war aber zumindest als „Bau-Spaten“ (nicht Garten-Spaten) eingestuft. Und der knirscht beim Wurzeln-Ausbuddeln und besonders -Wegbrechen auch schon sehr heftig…
  • Fein Multimaster (ähnliches gibts auch von Bosch): Sehr praktisches Werkzeug, bei Freunden war es (als „Hummel“) zum Ablängen von Türzargen im Einsatz, bei uns bisher zum Beispiel für hartnäckige Efeuwurzeln an schwer zugänglichen Stellen. Blöd nur, wenn man am Anfang noch keinen eigenen Strom hat…
  • Anhänger: Von 750 Kilo Baumarkthängern wurde uns abgeraten, nun ist’s ein (leider deutlich teurerer) Überlader mit 1,5 Tonnen Gesamtgewicht geworden, der sehr viel im Einsatz ist. Bei uns ist der Schrottplatz weniger als zwei Kilometer entfernt, mit Anhänger sparen wir uns die ein oder andere Mulde.
  • Akku-Schrauber: Unser billiger Schrauber aus dem Aldi wird garantiert bald die Grätsche mache, trotz 18 Volt und zwei Akkus. Zumindest müffelt er komisch… Deswegen haben wir uns einen kleinen 10,8 Volt Bosch-Akkuschrauber (blau) geleistet. Das Miniding macht deutlich mehr Wumms als der alte Schrauber!
  • Bohrhammer: Der musste übernehmen, als der Akkuschrauber beim Rausdrehen von langen Spaxen aufgegeben hat. Anständiges Gerät (auch wenn es nur „Bosch grün“ ist) macht mehr Spaß als Schlagbohrer.
  • Bit-Set (hier: Amazon nennt das ganze „Metabo Bit-Box Promotion 32 teilig“): gute Bits in ordentlicher Verpackung machen Sinn und Spaß. Nudeln nicht wie das ganz billige Zeug ab und hinterlassen Bit-Späne bei ollen Schrauben. Laufend im Einsatz.
  • Akku-Tacker: Nettes Spielzeuch 🙂 Ja, man kann auch Nägel reinkloppen. Oder den 5 Euro Handtacker aus’m Baumarkt nehmen. Kabelgebundene Tacker gibts auch – nur ohne Strom nix Tacker. Also war der Akkutacker hilfreich um Folie hinter den kaputten Fenstern festzutackern. Mal sehen wie er sich auf Dauer bewährt.
  • Feuerlöscher: Macht auf der Baustelle auf jeden Fall Sinn (siehste auch so, oder Ole?). Dazu dann noch die Feuerlöschdecke aus dem IKEA Family Shop. Sicher ist sicher…
  • Atemschutz-Masken sind bei dem ganzen Staub wichtig! Der Staub ist bei einem so alten Haus zwar wohl nicht direkt giftig (es gibt zum Glück kein Asbest wie in manch jüngerem Haus), aber einatmen ist auch nicht gesund… Ob FFP1, 2 oder 3 scheint egal – wichtig ist aber das Ausatem-Ventil! Sonst kommt der Dampf überall aus der Maske und man sieht mit Schutzbrille nichts mehr. Wir haben jetzt (August 2010) mehr als 70 Stück hier liegen – und werden sie wohl auch alle brauchen… Tipp: Bei ebay gibts immer mal günstige Masken.
  • Kleine Flex. Also einen Winkelschleifer. Zum Ablängen, Schrubben, … Laut KvH: 125mm Scheibe; mindestens 1000, besser 1300 Watt; einhandtauglich, Drehzahlregelung; Makita wäre gut. Wie schauts aus, wie dringend braucht man eine Schnellspannmutter? Die interessante Erklärung zu Winkelschleifern von autoschrauber.de ist leider jetzt offline. Deutlich langweiliger: von selbst ist der Mann… nun ist’s jedenfalls eine Flex 1306 VRG via ebay geworden. Mal sehen, was wir damit anstellen. Oder wie wir uns damit anstellen…
  • Mehrere Leitern… Wir haben zwei mit jeweils 3,80 Meter (einmal Teleskop, einmal normal für den Keller). Tipp von Ole: 3-teilige Hailo, wurde es dann auch: Eine 3 x 12er Kombileiter, die man als Anlegeleiter, Schiebeleiter und Doppelsprossenleiter verwenden kann. Dank verstellbarem Fuß sehr gut und sicher auch auf schiefem Boden.
  • Entfernungsmesser Leica Disto d2: Nettes Spielzeug 😉 Ja, man kann auch mit einem Zollstock (Bürokratendeutsch: Gliedermaßstab) messen, aber mit dem Entfernungsmesser gehts einfacher und bei größeren Längen auch genauer.
  • Was ist bei uns sonst noch im Einsatz: Kuhfuß (laufend im Einsatz!), mehrere Sägen (Wurzeln!), mehrere Schutzbrillen (ebay), billige Mörteleimer (normale Eimer für 80 Cent bis 1,2 Euro; 5 Euro für 90 Liter) aus dem Discount-Baumarkt, …
  • Wir haben ein paar Sachen erfolgreich abstauben und ausleihen können. Leider ist unser Freundeskreis noch nicht durch die „Bauphase“ durch, aber wir haben doch ein paar Euro sparen können. Tipp: Geschenkte Werkzeuge gern auch doppelt nehmen – eine der beiden abgestaubten Spitzhacken ist gleich am ersten Arbeitstag abgebrochen…

Was überlegen wir noch zu besorgen / kaufen? Kommentare sind ausdrücklich erwünscht, Angebote von gebrauchtem Kram ebenfalls!

  • Satiniermaschine zum Balken-Säubern: Brauchen wir vermutlich eher nicht, da unsere Balken zum Glück nicht mit Lack verschmoddert sind. Aber die Suche bei ebay läuft, man weiss ja nie…

Was auch immer (der Rest):

  • Efeu ist bäääääääh! Holunder auch! Beides wunderschöne Gewächse, besonders wenn sie im Freien weit draußen stehen. Selbst meinem schlimmsten Feind (haben wir so was?) wünsch‘ ich das Zeug nicht ans Haus! Bei uns haben beide ganze Arbeit geleistet, wurden in den letzten x Jahren (x > 60?) immer mal mit der Säge entfernt – aber unter dem Sägeschnitt wucherte das Zeug fröhlich weiter. Also: Wenn man die Biester entfernt, möglichst tief wegbuddeln…
  • Müll trennen! Besonders wenn wie in Butzbach der Müll gewogen wird, sollte man beim Bau anfallenden Müll trennen: Kupferkabel, Metallschrott, Bauschutt (mit Lehm?), Gelber Sack, Restmüll, Sperrmüll. Wobei Sperrmüll in Butzbach mal eben 200 Euro pro Tonne kostet – Grünabfall mit Wurzeln immer noch 60 Euro pro Tonne. Für Kupferkabel gibt es dafür aber richtiges Geld.
  • Strom aus! Und das prüfen. Immer (wieder). Auch wenn man x mal denkt, der wäre schon aus. Unser Haus stand ewig leer – und trotzdem lag über all die Jahre am Hausanschluss Spannung an! Das ist anscheinend normal, da Häuser selten ganz abgeklemmt werden.

Cliffhanger: Fortsetzung folgt.

1 comment to Gelerntes. Erahntes. Erhofftes. Oder einfach: Glück

  • Ole

    Nicole und ich haben im Museumsdorf Volksdorf geheiratet *g* (aus der Ecke kommen wir) – Klein ist die Welt.

    Sehr sinnvolle Tipps, schön aufbereitet. Ihr macht das schon – haut rein!

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