Die sechste Etage

Heute hat sich ein Zimmermann aus Bad Nauheim gemeldet, der im Holznagel unsere Ankündigung zum Tag des offenen Denkmal gelesen hat. Spontan kam er dann mit dem Radel vorbei und wir haben lange übers Ruinchen geklönt, viele Ecken und Winkel beguckt und Ideen ausgetauscht. War sehr nett und informativ, es gab wieder viel Neues zu lernen und zu sehen. Erstaunlich dass wirklich jeder Experte noch weitere Details aus dem Ruinchen herausliest!

Zum Beispiel auch zur Frage, ob das Haus ganz zu Anfang wohl Sichtfachwerk hatte oder immer verputzt war. Nach etwas Pickerei am Putz in den letzten Tagen kann man jetzt auch die Balken viel besser erkennen. (Na, wer erkennt zuerst das neue Detail auf dem Foto, das unserem Haus lange fehlte? 😉 )

Tja, und beim Besichtigen des Kellers gab sich ein Wort das andere – und wir haben beschlossen, die sechste Etage zu erobern! (Schließlich hat das Haus drei Stockwerke, ein Dachgeschoss und zwei Kellergeschosse!) Also: Lampe und Kamera geholt – und mutig ins Loch reingerutscht. Ganz schön eng… das war wohl mal ein Luftschacht. Jedenfalls kommt man dank Schutthaufen auch recht einfach alleine wieder raus. Da wo die Lampe hängt ist der Einstieg, der Blick auf dem Foto geht Richtung Haus 5.

Der Keller verläuft längs zur Straße und endet an einer Mauer neueren Datums, die die Keller von Haus 3 und unserem Haus trennt.

Der Keller ist gut 12 Meter lang, gut sechs Meter breit und zur Zeit an der höchsten Stelle knapp zwei Meter hoch. „Zur Zeit“, weil mindestens 30-40 Zentimeter „Irgendwas“ im Keller liegt, das über die Jahrhunderte angewachsen ist. Zur Straße hin gibt es noch zwei kleine zugemauerte und einen großen verschütteten Luftschacht. Mal sehen ob wir irgendwann in den nächsten Jahrzehnten Lust haben, da eimerweise Schutt rauszubringen…

Ach, und was es da natürlich unten auch gibt…?

WURZELN! Nicht schon wieder… 😉

8 comments to Die sechste Etage

  • Angelika

    Ein Zimmermann… soso… und mit´m Radl war er da…
    Ok, der heilige Joseph rüstet also fahrzeugtechnisch auf: damals mit`m Esel nach Ägypten, heuer mit dem Rad nach Butzbach. 😉
    Ich vermute mal haarscharf, daß sich die heilige Familie grad nach einer neuen Bleibe umschaut. Es geht ja arg rund bei uns Katholen und da wird sich der gute Mann gedacht haben: ich nehme die Frau und das Kind, sattle mein Rad und verlasse den Laden. Dann können die mal sehen, was draus wird…
    Aber daß der dann bei uns… und dann noch im tiefen Keller… also DAS finde ich ja direkt AUFREGEND! 😉
    Mindestens so wie unseren tiefen Keller.
    Vielleicht finden wir unterm Schutt Iwan, den Schrecklichen, den Rebroff. Hat der nicht mal gesungen: „Im tiefen Keller sitz ich hier bei einem Faß voll Reben…“ ?
    Aber dann ist mir der Joseph mit seinem Familienklüngel schon lieber.

  • Aline

    Hi Dirk,

    wie hattet Ihr denn sichergestellt, dass auch genügend Sauerstoff in eurem Tiefgeschoss war?

    Ihr wärt nicht die ersten, die in einem solchem Loch aus Neugierde erstickt sind.

    Besorgte Grüße

    Aline

  • Hi Aline,

    guter Hinweis! Wir wussten vorher, dass unser Keller eine Verbindung zum Nachbarkeller haben soll – und der ist normal zugänglich. Wir sind nacheinander eingestiegen, erst als klar war dass unten alles ok ist, sind wir zu zweit runter. Jetzt ist klar: der Keller ist gut belüftet und schaut sehr massiv aus (was wir leider nicht von allen Mauern im Haus sagen können…).

    Beruhigende Grüße

    Dirk

  • Ole

    Genialer Keller! Jetzt müsst ihr nur noch die 30-40cm Erde, die vermutlich von eingelagertem Gemüse abgefallen ist, ausheben und schon kann der Weinkeller eingeweiht werden. Dort unten habt ihr bestimmt immer Plusgrade – Toll!

  • Nach ersten Probeschaufeleien wissen wir: da liegt sicher mindestens 50cm, eher noch deutlich mehr Erde im Keller. Jedenfalls bin ich noch nicht auf einen Boden gestoßen… und die Erde stammt sicher nicht nur vom eingelagerten Gemüse, sondern ist in den letzten x hundert Jahren reingeworfen worden. Die Frage ist halt: Wie kriegen wir die mindestens 30 Kubikmeter Erde da raus?

  • Georg

    Hm, da sollte zumindest mal ein Stadtarchäologe vorbeigeschnüffelt haben, bevor Du das alles aushebst. Vielleicht sind das alles recht neue Ablagerungen, aber vielleicht ist ja auch in den Geschichten was baugeschichtlich interssantes zum Haus oder zur Vorgängerbebauung rauszukriegen.

  • Angelika

    Der Stadtarchäologe ist mit Verlaub zu rund für den Einstieg in den mittelalterlichen Keller. *hust*
    Aber er konnte nach Ansicht detaillierter Fotos feststellen: das Gewölbe ist mittelalterlichen Ursprungs. Ok, DAS wußte ich auch schon vorher, aber man/frau wird gerne mal von offizieller Seite bestätigt. Irgendeinen Sinn müssen die 4 Semester Archäologie, Kunstgeschichte und Ur-und Frühgeschichte ja gehabt haben… wenn auch einen erst jetzt erkennbaren. 😉

  • […] endet unser Gewölbekeller zu einer Seite im Nichts. Da wo die Wurzeln Luftsprünge machen. Jetzt stellte sich aber leider heraus, dass das Loch höher endet als gedacht, der Gang zum […]

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