Kellerkind

Nachdem wir den Tag des offenen Denkmals nun einigermaßen gut überstanden haben, meine Bronchitis langsam weiter abklingt und die 7 Stunden Rumstehen und Dauerreden keine bleibenden Schäden bei uns beiden hinterlassen haben, kommt nach und nach die eine oder andere denkwürdige Begegnung wieder in Erinnerung.

Wie Dirk schon schrieb, waren u.a. auch zwei ehemalige Bewohner des Hauses vor Ort, deren Familien kurz nach dem WKII zur gleichen Zeit dort gelebt haben. Einer der beiden Jungs, damals so an die 7 Jahre alt, hatte es faustdick hinter den Ohren.

Das Anzünden der elterlichen Küche gehörte zu den besonders spektakulären Aktionen und er hat Glück gehabt, daß er überhaupt noch unter den Lebenden weilt (unser Häuschen aber auch!). Er spielte in Abwesenheit der Eltern mit Lampenöl und setzte dabei die Küche in Brand. In Panik wollte er mit dem Rest der Flüssigkeit aus der Ölflasche löschen und löste damit erst recht eine kleine Katastrophe aus. Löschversuche mit den Händchen endeten mit großflächigen Brandblasen und einem Trostfleischwurst-Kringel des Metzgers um die Ecke, bei dem die Eltern später ihren kleinen Tunichtgut auch wieder einsammelten. Und ab gings zur Strafe in den Keller.

Gut, daß am Sonntag der ehemalige 2. Nachbarsjunge von damals nicht zeitgleich anwesend war, denn falls er es noch nicht gewußt haben sollte: Nachbarsjunge 1 war es, der die Hühner der Familie 2, die selbige auf dem Viehstall hielt, versteckt hat. Dafür mußte er natürlich auch wieder in den Keller – wer hätte das gedacht. Was er NICHT erzählt hat ist, ob man die Hühner jemals wiedergefunden hat und vor allem WANN und in welchem Zustand. 😉

Tja, und das Klo, welches von uns so schnöde abgerissen wurde, ja, das war Schauplatz einer regen Geschäftstüchtigkeit – in jeder Hinsicht *hüstel*.

Findige Jungunternehmer gab es also auch schon um 1948 in dieser Gegend, in diesem Fall unseren besagten Lausebengel.

Der hat sich, wann immer Märkte in der Stadt abgehalten wurden – Faselmarkt, Katharinenmarkt etc. – vor das Haus gestellt und Parkfläche vermietet. Fahrräder kosteten 10 Pfennig und Mopeds 30.

Und wenn gar an kirchlichen Feiertagen Prozessionen über den Kirchplatz zogen, dann hat der Bengel freundlich Tür und Tor geöffnet und für 10 Pfennig die Haustoilette zu einer Öffentlichen gemacht!!! Besonders gute Geschäfte machte er mit den vielen alten Damen und deren schwachen Blasen… also kann man sagen, unser inzwischen abgerissenes Klo hat eine Menge  frommer  Hinterteile gesehen… und wurde in mannigfacher Hinsicht gesegnet. 😉

Ich wage allerdings zu bezweifeln, daß der Knabe damals für dieses einträgliche Tun auch wieder in den Keller hinunter mußte!

Seine Geschichten haben viele Besucher zum Lachen gebracht und den Tag um eine schöne Erfahrung reicher gemacht. Wir hoffen, er schaut noch recht oft am Häuschen vorbei und kommt auch nächstes Jahr wieder zum Tag des offenen Denkmals.

3 comments to Kellerkind

  • Ole

    Hat er auch Holzmännchen geschnitzt im Keller? Dann habt ihr wohl Michel aus Lönneberga getroffen!

    Herrlich, solche Geschichten 🙂

  • Und noch was zum Tag des Offenen Denkmals: Bitte schon mal den 11. September 2011 vormerken! Das Thema ist dann „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“. Wenns irgendwie geht, sind wir dann wieder dabei 😉

  • Angelika

    Von Holzmännchen hat er leider nichts erzählt, aber vorstellbar ist das. Der Mann war wirklich klasse und die Zuhörer haben sich königlich amüsiert.
    Unsere lieben Frankfurter Nachbarn waren ja auch vor Ort und der weibliche Teil davon giggelt mich heute noch an, wenn wir uns treffen und „Keller“ ist quasi DAS Stichwort geworden. 😉

    Ach ja: zum nächsten Tag des offenen Denkmals werde ich mir irgendeinen Blödsinn einfallen lassen… und sei es in realistischen (sprich historischen) Kostümen der Zeit romantische Kekse (mit rosa Glasur) zu revolutionärer Musik (ABBA im sound des Barock) verkaufen.
    Vor Ort backen geht ja leider noch nicht.
    Irgendwas ganz Schräges werde ich da machen… nur so als Vorwarnung… harhar.
    Kommt ihr dann??? 😉

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