Müde sind wir, geh’n zur Ruh…

… schließen unser Häuschen zu.

[Da Angelika und ich heute ganz verschiedene Menschen kennengelernt haben und unterschiedliche Momente genossen haben, gibt es heute einfach mal zwei Artikel für einen Tag. Im Sonderangebot also. Falls es was doppelt gibt, bitte ein Auge zukneifen.]

Der Tag des Offenen Denkmals war für uns wieder ein „Puh-bin-ich-platt-Tag“ – aber diesmal nicht wegen Bauschutt-Schippen, sondern wegen „Babbel-Marathon“. Und unser geduldiger Architekt musste gleich mit ran, von elf Uhr bis kurz nach sechs haben wir fast die ganze Zeit Fragen zum Häuschen beantwortet, Anekdoten und Geschichten erzählt, Fotos gezeigt – und gestaunt wie viele nette und neugierige Leute unser Ruinchen besucht haben. Vielleicht waren es 200 Besucher, vielleicht mehr – egal! Wir wussten ja, dass viele Butzbacher unsere Sanierung gespannt beobachten, aber dass uns so viele die Daumen drücken und uns Glück und alles Gute wünschen: umwerfend.

Viele Situationen und Augenblicke waren einfach… besonders, einprägsam, anrührend. Zum Beispiel als nacheinander zwei Butzbacher auftauchten, die beide als Jungs  nach 1949 ein paar Jahre im Haus gewohnt haben. Beide freuen sich sehr darüber, dass das Haus endlich wieder bewohnt werden soll – und erzählten Geschichten aus ihrer Kindheit. Der eine erzählte besonders lebhaft, dass er immer in den Keller geschickt wurde, wenn er wieder Mist gebaut hat. Hat er auch ausreichend! So erzählte er davon, dass er als Siebenjähriger die Küche in Brand gesetzt hat, als seine Eltern nicht da waren. Und er wusste auch noch, dass er nach der unabsichtlichen Brandstiftung vom Metzger ein großes Stück Fleischwurst bekommen hat, bis seine Eltern den Filius in Empfang genommen und danach in den Keller verbannt haben 😉 Später hat er für Hilfsarbeiten auf einem Bauernhof 12 Zentner Kartoffeln bekommen, die sie zum Lagern in den Gewölbekeller geschüttet haben. Er behauptet auch, unser Dings vom Stall wäre ein mobiler Beichtstuhl. Hätte man ihm zumindest damals gesagt. Na, ich denk‘ da hat man dem neugierigen Schlingel damals einen Bären aufgebunden…

Heute gibt’s auch die versprochene Auflösung von „Plane, Plane, Du sollst wandern…„: Die Jungunternehmer haben angefangen, aus der Plane Umhängetaschen zu schneidern.

Diese haben sie dann auf der mobilen Verkaufsplattform – aka Schuttanhänger – verkauft und dabei auch fröhlich Holznägel der IG Bauernhaus und Material der Stiftung Denkmalschutz verschenkt. Wobei sie deutlich mehr verkauft hätten, wenn sie mehr Taschen gehabt hätten. So waren die ersten Taschen nach Anlaufschwierigkeiten schnell ausverkauft – und dann wurde nur noch „on demand“ verkauft. Was allerdings die outgesource’te Produktionsresource – Mama!!! Wir haben wieder eine Taaaaasche verkauft! – ganz schön in Stress brachte. Auch die Preisfindung war eher unkonventionell „Was kostet denn eine Tasche?“ – „Die Hälfte geht an die Jugendfeuerwehr Butzbach, weil die die Plane abgehängt haben!“ – „Ähm… ja… wie viel denn?“ – „Die Hälfte!“ – „… und eine Tasche kostet…?“ – „Wie viel sie geben mögen. Sie wissen, ja, die…“ – „… ja. Die Hälfte an die Feue…“ – „JUGEND! Feuerwehr!“ – „Also……. ja… wie viel?“ – „Zehn Euro…?“ (von der Seite, noch jüngerer Jungunternehmer) „Wir haben auch welche für FÜNF Euro verkauft!“ – „Also ich nehm eine…“

Hoffentlich kriegen wir unsere zwei „vorbestellten“ Taschen – danke, Anja, für die Stunden an der Nähmaschine!!! – denn die Planentaschen sind echt was ganz besonderes und eine prima Erinnerung an drei Jahre Ideen auf dem Niveau von „Wenn ich die Augen zumache, könnt Ihr mich nicht sehen!“: Ein baufälliges Denkmal mit einer (teuren!) Plane über Jahre unsichtbar machen zu wollen ist einfach Kindergarten. Und der Tag heute war ein sehr deutliches Signal, dass wir ganz andere Pläne für unser Ruinchen haben! Verdammt, der Tag tut gut! Vielen herzlichen Dank an alle Mutmacher!

6 comments to Müde sind wir, geh’n zur Ruh…

  • Aline

    Hi Dirk,

    3 (!) vorbestellte Taschen. 😉

    Grüße

    Aline, zahlt auch mehr als 10 €!

  • Anja

    Also, zunächst einmal: ja Dirk, du kriegst noch deine zwei bestellten Taschen. Ich muss nur erstmal ein wenig Material nachbestellen (lässt sich ja leider nicht alles aus dieser wunderschönen Plane nähen…).
    Zweitens: soviel auf Zuruf habe ich gar nicht gemacht (ausser die Nähmaschine immer wieder repariert, weil der dicke Faden etwas zu dick für meine Diva von Nähmaschine ist…) Das meiste haben schon die Jungunternehmer (jedenfalls die eine Hälfte des Duos) gemacht. Ich wollte nur ganz egoistisch auch eine Tasche für mich am Sonntag nähen. Die wurde dann erst gegen 18 Uhr fertig, weil ich ja immer wieder meinen Platz an der Nähmaschine räumen musste. Und diese ist dann sofort von meinem Männe konfisziert worden, weil er die gut fand! Das war mein Stress… 😉
    Ja, und die Geschäftstüchtigkeit der noch jüngeren Jungunternehmer (die aber keine sind, weil sie keine Einlage in den Unternehmerfond getätigt hatten) ist noch etwas zu überarbeiten. Aber immerhin: die Jugendfeuerwehr (sic!) kriegt schon mal 15 Euro, ohne dass die vorbestellten Taschen abgeliefert und bezahlt sind!

  • Och, die Geschäftstüchtigkeit aller beteiligter Jung-was-auch-immer ist schon ok – hat Spaß gemacht ihnen beim „Feilschen“ zuzuschauen 😉 Und wir haben der Jungunternehmerin tatsächlich Unrecht getan… aber ich hoffe sie verzeiht uns 😉

  • […] hatten wir bereits kennengelernt – Marcel war mit seinem “Holzwurm” bei uns beim Tag des Offenen Denkmals und arbeitet schon lang mit unserem Architekten. Nun hat er die Steine weg (Marcel: Vielen Dank […]

  • […] Geschrieben von Dirk am 14. November 2010 Heja, wir haben heute zwei Taschen bekommen! Nicht via eBay, sondern von nebenan Herzlichen Dank an die fleißigen […]

  • […] Und der lief doch ziemlich anders als geplant… Nach den tollen Erfahrungen von Angelika und mir vom letzten Jahr hatten wir (oder zumindest ich) recht hohe Erwartungen, dazu dann noch die Artikel […]

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