1644 …

Plan vom Kirchplatz 1845… 1656 … 1668 … 1676 …

Sie lesen die Lottozahlen aus dem späten Frühbarock.

Naja, um ehrlich zu sein, sind das die Jahreszahlen, die die dendrochronologischen Untersuchungen in unserem Ruinchen ans Tageslicht gebracht haben. Sozusagen.

Und mein Bauchgefühl lag absolut richtig! Ich hätte starke Selbstzweifel entwickelt, wenn das Ganze so im frühen 19. Jahrhundert eingeordnet worden wäre.

Ich bin also nicht umsonst in einem uralten Haus großgeworden 😉 …

Und trotzdem: mein Bauch, der umlaufende Steinsockel im Erdgeschoß, der 1. Keller, der tiefere Gewölbekeller, die Erfahrungen aus und mit meinem Eltern-„Haus“ und last but not least die Archivausgrabungen der lieben Frau G. sagen mir noch viel mehr:

an dieser Stelle muß es einen steinernen Vorgängerbau gegeben haben, auf dessen Restmauern irgendwann weiter nach oben und das in „preiswerterem“ Fachwerk gebaut wurde, Die unmittelbare Nähe zur Stadtmauer, einem der Wehrtürme und der Markuskirche selbst könnte interessant sein bzgl. der Nutzung dieses Gebäudes. Stichwort „Kugelherren“…

Ich habe im 1. Keller Fensteröffnungen und kleinere, fast quadratische Schartenöffnungen nach innen (also genau in den Bereich unter unserer Tenne) gesehen, die in neuerer Zeit zugemauert worden sind, hinter denen man aber, wenn man – neugierig wie ich manchmal bin – mit dem Finger und dann dem Zollstick des Architekten tiefer bohrt, in relativ weiches Erdreich piekt.

Das deutet darauf hin, daß auch hier mal wieder etwas „zugeschüttet“ worden ist. Wie z.B. auch unser Gewölbekeller. Aber der gottlob nur teilweise.

Zudem haben wir heute an der Kirche genauer hingeschaut, nachdem ich die Dame vom Denkmalschutz darauf aufmerksam gemacht hatte, daß das Portal von den Proportionen her doch sehr unstimmig sei und ein steinerner Abschluß des Torbogens auf beiden Seiten komplett fehlt, aber im Ansatz und unter das Pflastersteinniveau führend zu erkennen sei.

Ja und was meint sie darauf? „Das deutet extrem darauf hin, daß der komplette Bereich einmal mindestens 60 cm tiefer gelegen hat und das gilt dann natürlich auch für die Grundmauern der Häuser gegenüber.“ Sie schätzt auch unseren Gewölbekeller für noch tiefer ein als ich das gedacht habe. Meine Vermutung belief sich auf ca 40 cm über Bodenniveau. Sie meint, mit bis zu 60 cm sei ich dabei. Ok, das heißt, wenn wir den Keller nutzbar machen wollen: viel viel viel Arbeit. Ich glaube, wir holen uns Ausgrabungshelfer aus der Archäologie!!!

Leider gibt es keine Möglichkeit die alten Steinfundamente datieren zu lassen. Die Radiokarbondatierung (C14-Methode) ermöglicht ja nur die Altersbestimmung von organischen Stoffen. Im Organismus aller Lebewesen (tierische wie pflanzliche) ist das Kohlenstoffisotop 14C enthalten, das sich ständig erneuert. Stirbt der Organismus ab, zerfällt auch allmählich die 14C-Konzentration. Diese Konzentration lässt sich als Strahlung messen, wobei die Strahlungsintensität Aufschluss gibt über die verbliebene 14C-Konzentration und folglich auch über den Moment des Absterbens des Organismus.

Von daher werden wir halt dann doch mal irgendwann mit Sieben und Pinselchen in den Keller absteigen und dort hoffentlich KEINE Römer finden!!! Frühmittelalterliche Tonscherben, Knochen und die eine oder andere Münze würden schon reichen… meine Güte, irgendwie fühle ich mich grad nicht nur sonderbar, sondern auch alt. Uaaaah.

3 comments to 1644 …

  • Angelika

    Danke an Schwubbeldiwupp für die Korrektur, die ich jetzt einfach hier so reinsetze:

    „Wird dieser Austausch unterbrochen, dann ändert sich das Verhältnis zwischen 14C und 12C. Absolute Werte wären viel zu unsicher.“

    Ich habe mich nicht ganz richtig erinnert und war zu faul zum Nachschlagen. Ab 30 *hust* sterben die grauen Zellen langsam ab.
    Der eine hört schlechter („Hääääääh?“), die andere hat Erinnerungslücken („Wie war nochmal der Name?“)- wir passen einfach in ein altes Haus. 😉

  • Ole

    Ist nichts, wenn man alt wird 🙂

    Die Datierung der Steinfundamente würde so oder so viel weiter zurückreichen – sofern diese aus Natursteinen sind. Aber ihr habt ja wirklich viele fleißige Informationslieferanten. Wir finden 1644 schon ziemlich genial. Wie schade, dass damals noch keine Digitalkameras gab.

    Bitte weiter berichten!

  • […] Kurzbericht zur Dendrochronologischen Untersuchung bekommen. Die Jahreszahlen hat Angelika ja schon geschrieben, nun folgen die Details aus dem Untersuchungsergebnis: Die Proben ergaben in chronologischer […]

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