Zeigt her…

… eure Häuser, zeigt her, was Ihr habt…

So könnte man das nennen, was wir an diesem Wochenende gemacht haben: fremder Leute Schlösser und Gutshöfe heimgesu… äh,  besucht, besichtigt und hier und da auch schon mal beschädigt  – hallo Stefan 😉  …Und dabei fing alles total gesittet und ziemlich harmlos an. Nämlich am Freitag gegen 16 Uhr im Schloß Bad Iburg. Aufgeteilt in drei Horden in Gefechtszugstärke zu 30 Männ-und Weiblein zu je 2,50 Euro Unkostenbeitrag  galoppierten wir im zügigen Marschtempo durch Säle, Gänge, Gefängnistürme, Schloßkirchen – und Kapellen und (ver-)endeten  im Garten des Abtes, nur um im direkten Anschluß daran bis 19.30 Uhr sowas wie Freigang zu bekommen.

Den haben wir directement genutzt und Dirks Lästerschwein – äh, Schwesterlein samt Neffen – ihr wisst schon: die allerersten Kindersklave – hm, Kinderhelfer – mit unserem Erscheinen in Entzückungsrufe ausbrechen zu lassen. 😉 Soweit dieses. Nachdem sie uns durchgefüttert, bespaßt und total erschöpft wieder in die Welt entlassen hatten, schlugen wir satt und leise vor uns hinblähend (aber das Chili con carne war SAULECKER, Steffi!) im Prunksaal des Schlosses auf, um uns alsbald von den mehr oder weniger salbungsvollen Worten von Landrat, Bürgermeister und Oberlandeskonservator einlullen zu lassen.

Kleiner O-Ton gefällig? 😉

… „Jeneichte Hausforrrrscherrr und Hausforrrscherrrinnen, cheschätzde Denckmalfleeecher und Fleeecherinnen, liebe Daaaamen und Herrrrren, es is mir aine chroße Freude, Sie hier in unssserem schööönen Schloßsaaaaaale bechrüüüßen zu können und zu dürrrrfn. …“  Quaterkamps Rede folgte die kurze und knackige Rede des Bürgermeisters: „Der Landrat hat wie immer schon alles gesagt, ich schließe mich dem an und füge noch 3 Sätze dazu: schön, daß Sie hier sind. Schade, daß Ihr Konferenzprogramm so voll ist. Kommen Sie doch einfach mal wieder.“

Die Rede vom Oberhausflicker erspare ich euch: sie war laaaaaaaaaaaaang und sehr trocken.

Ende des „Elends“ erster Teil. Und es ward Nacht, es ward Morgen: 2. Tag.

Da ging’s rund. Ein Vortrag jagte den anderen, dazwischen jagten Hausforscher die Denkmalpfleger ums Mittags-Buffet. Die Denkmalpfleger rächten sich jedoch spontan  mit totalem Abgrasen des Dessert-Tisches und schleppten Portionen, die locker für 3 gereicht hätten, als kostbare Beute in ihre Höhlen bzw. an ihre Tischlein.

Das hatte zur Folge, daß mit fortschreitender Uhrzeit die Diskussionen immer hitziger wurden und teilweise doch sehr persönlich genommen wurden.

So als verfremdetes Beispiel (ich will ja nicht, daß sich der eine oder andere wiedererkennt *hust*) könnte das hier herhalten: „Ja und die französische Form des barocken Stangenbrotbackofens hat sich dann 200 Jahre später im Haus der Hexe im Märchenwald wiedergefunden, nur um in fast unveränderter Formensprache weitere 200 Jahre später auf dem Braunschweiger Kartoffel-Markt als Feldküche erneut aufzutauchen.“ – „Also neeee, 400 Jahre und imma dat gleiche, datt halte ich aba fürn Jerücht, nech. Sowatt kannse doch nich sagen.“  Leider wurde der Disput nicht mit dem Degen weitergeführt bzw. final beendet. 😉

Ein andere Beispiel, bei dem ich selbst fast in die Luft gegangen wäre, war die These eines (natürlich) männlichen Denkmalpflegers, die besagte, daß der städtische Adel im 19. Jahrhundert das Landleben für sich entdeckte und man sich auf seinen Landgütern übers Wochenende bei seinen Pächtern einquartierte. ÜBERS WOCHENENDE!!!

DAS kann auch nur ein Mann von sich geben, dem daheim die Mutti den Weekender packt!!! Mit garantiert knitterfreien Chinos und Hemden. Pah!

Hallo? Das waren halbe UMZÜGE! Eine Kutsche für Mama und Papa. Eine für die Kinder samt Kinderfrauen und Gouvernanten. In einer weiteren Kutsche fuhren Hauslehrer, Kammerfrau und Kammerdiener mit.

So, und DANN kamen die Wagen mit dem Gepäck der Herrschaften! Teilweise wurden sogar Kleinmöbel mitgeführt!!!

Da wurde sich für Wochen oder Monate eingerichtet, nicht nur  für ein Wochenende!!! *schnaub*

Da kann ich nur sagen: denk mal, du Pfleger!!!

Na gut, am Ende war ich wieder friedlich, was nicht zuletzt daran lag, daß Dirk und ich in netter Gesellschaft von Carsten in der Hotel-Bar versackt sind. Trotz Zeitumstellung. War uns wurscht. Irgendwie. 😉

Ende 2. Teil. Und es ward Nacht, es ward Tag: 2. Tag.

Der begann für mich seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr morgenmuffelig nach nur 5 Stunden Schlaf.

Aber: wir haben pünktlich um 8.30 Uhr am Bus gestanden und sind auf die große „Heimsucher-Tour“ gegangen.

Was diese nette Mitreisende grad im Fenster erspannert, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Was hingegen Dirk entdeckt hat, weiß ich.

Könnt ihr es nicht ahnen? Wirklich nicht???

Na: Pötte! Hat mit Essen und Trinken zu tun und das findet er IMMER! 🙂

Ich gebe zu: die erste Anlaufstelle habe ich im Halbschlaf über mich ergehen lassen, knappe 10 Minuten im Kellergewirr der Schleppenburg stehend an einem Holzbalken gelehnt verschlafen, um dann irgendwann unterwegs im Bus wieder so halbwegs ein Mensch zu werden. DIRK dagegen hat wunderbar laut vor sich hingeschnarcht, was nicht unwesentlich zur Erheiterung unserer Platznachbarn beigetragen hat. Warum sind alte Leute eigentlich morgens immer so ekelhaft wach???

Na egal. Wurde alles in allem und trotz neu aufflackernder Erkältung (die Corona war eigentlich ein Kriegsschauplatz aller zur Zeit aktiven Grippe-Viren) noch ein netter Tag.

Und einer der geplagten Besuchten, ein Freiherr von altem Schrot und Korn, stellte sich sogar als einstmaliger Geschäftspartner meines gräflichen Großonkels heraus. Gut möglich, daß ich den Edelmann, als er noch jung und knackig war, von meinem Kinderzimmer aus dem 2. Stock heraus über den Hof unserer schlichten „Behausung“ habe schreiten sehen, die Treppen hinauf  zum nördlichen Flügel, den der Großonkel seinerzeit bewohnte.

Der Abschied war dementsprechend herzlich, obwohl seine Frau uns nicht ihren wunderschönen Labrador überlassen wollte. 😉 Wobei der Hund auch sicherlich nicht mitgekommen wäre: der wußte ganz genau, wer ihm die Spieltiere ins Körbchen im warmen Studierzimmer gelegt hat.

Ein weiterer Besuch führte uns auf einen eher ungastlichen Hof. Ich nenne den mal „Lumpen-Hütte“, weil es da aussah wie bei Hempels unterm Sofa.

Außerdem hatten wir wohl alle irgendwie das Gefühl, der Besitzer könnte jeden Moment hinterrücks aus einem der vielen kaputten Fenster heraus mit der Jagdflinte auf uns schießen.

Das letzte bescheidene Heim gehört einem Steuerberater und ich muß sagen: sauber! Was da bei den Beratungen so alles abfällt an Kleingeld… das scheint sich zu lohnen. 😉

Was Heinz allerdings unter dem Tisch des Herrn von und nicht zu gesucht hat bleibt uns verborgen. Auf alle Fälle war der Boden danach sauber und Heinz dreckig (Dirk allerdings irgendwie auch, das lag aber wohl hauptsächlich am Dachboden…)

So, und damit Dirk jetzt auch noch zu Wort kommt und mich gegebenenfalls korrigieren oder besser noch: ergänzen kann, beende ich an dieser Stelle meinen kurzen Bericht von unserem ereignisreichen Wochenende, bedenke all die wissenschaftlich mitverbildeten Kollegen, die ihre Vorträge vom Blatt gelesen, genuschelt oder gestammelt haben, mit einem fernen bösen Blick, rate ihnen zu einem Kurs „Freies Reden leicht gemacht – wie Sie Ihre Zuhörer fesseln und nicht langweilen“, stelle mir bei einer Doktoren-Kollegin die Frage: hat die den SELBST gemacht/geschrieben oder war der akademische Grad ein Irrtum und bekomme Gänsehaut, wenn ich an den „Beitrag“ eines jungen, dynamischen und sehr gegelten Doktoranden aus den neuen „Punzländern“ denke („Das muss noch erforscht werden!“). Huaaaaaaaaaah… 😉

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