Tag des offenen Denkmals 2011 – und ein bisschen mehr (aktualisiert)

Ja, unser Ruinchen hat sich in den letzten Wochen verändert. Ja, ich hätte gern viel mehr dran gearbeitet. Ja, es gab auch kleinere Neuigkeiten, die wir nicht ins Blog gepackt haben. Na, dann wollen wir mal einen Kreuz-und-Quer-Artikel schreiben 😉

Der Titel weist ja schon drauf hin: der Tag des offenen Denkmals 2011 am 11. September kommt näher – und unser Architekt plant schon, welche Arbeiten bis dahin noch fertig werden können. Im Moment müssten die Besucher über eine Planke zur Tür krabbeln – oder sich an Baumaterial und einem Mischer vorbei durch einen Spalt am Scheunentor zwängen. Das ist nicht grade das was wir uns vorstellen und der Hinweis „behindertengerecht“ auf Tag-des-offenen-Denkmals.de stimmt so auch nicht wirklich… Genau: Letztes Jahr haben wir noch jeden einzelnen Link und Hinweis bejubelt, dieses Jahr ist es irgendwie ganz logisch, dass unser Ruinchen auf den Webseiten der Interessengemeinschaft Bauernhaus, der Landesamts Hessen und der Stiftung Denkmalschutz zu finden ist.

Was dieses Jahr anders ist: Das Ruinchen und unsere schrägen eventuell ein bisschen unkonventionellen Ideen dazu haben es auch in den Druck gebracht. Sowohl im Holznagel der Interessengemeinschaft Bauernhaus als auch in der Zeitung DENKmal des Landesamt für Denkmalpflege Hessen steht ein Artikel den wir zu unseren Erfahrungen mit dem Ruinchen geschrieben haben (der Artikel fürs Landesamt kam zuerst, dann haben wir ihn für die IgB etwas angepasst und erweitert). Den Artikel vom Landesamt findet man hier oder auf unserem Server, jeweils auf Seite 7, den im Holznagel reichen wir noch nach. Und ja: ich freu‘ mich riesig über die Artikel – und dass es das Foto meines Neffen Tim in die Zeitung geschafft hat 😉

Wobei „mithelfende Kinder auf der Baustelle“ ein eigenes Thema wären: Gestern und heute hatte ich wirklich zu viele Nachbarskinder vor, um und leider auch auf der Baustelle – ein-zwei sind manchmal wirklich eine echte Hilfe, aber unsere Baustelle zieht grade zu viele Kinder an. Beim Ausladen des Lehm-Mauermörtels (von Grün, war bei Selbstabholung viel billiger als von Claytec oder Conluto) waren drei fleißig schaufelnde Kinder ok, beim „Erde-aus-Gewölbekeller-räumen“ – ich im Keller, Kinder oben – war das Chaos perfekt. Und dass ich eine Kinderschar hinter mir hergezogen habe wie der Rattenfänger von Hameln, egal ob auf dem Weg zum Postkasten oder zum Rubinstein – too much.

Irgendwie erinnert mich das stark an Tom Sawyer und die Geschichte mit dem Zaun – Kinder die sich darüber streiten wer die vollen Eimer wegschaffen und ins Loch kippen darf… und wieder was gelernt: dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: Reaktanz. „Du darfst nicht auf der Baustelle mithelfen, Du bist noch zu klein!“ führt genau zum Gegenteil bei (zu) klein und grade-eben-so Dreikäse-hoch. Und zu Stress beim ollen Ingenieur. Ich weiß ganz genau warum Kindergärtner kein Job für mich wäre, Senioren-betüdeln aufm Kreuzfahrschiff war da echt das Ende der Fahnenstange.

Jedenfalls habe ich es genossen noch etwas weiterzuarbeiten nachdem die Kinderschar irgendwann dann doch abgezogen ist, unterstützt durch Musik von der Markuskirche. „Baustellenmusik“ könnte doch mal wer komponieren, so als Ergänzung zu „Feuerwerksmusik“ und „Wassermusik“, oder?

Aber warum buddeln wir den Gewölbekeller leer? Das hat doch noch Zeit? Naja, nachdem beim Anschluss unseres Hauses an Gas, Wasser und Abwasser irgendwelche kreativen Rohre gefunden wurden, die in keinem Plan standen, hat der örtliche Versorgungsbetrieb gefordert, dass wir einen hyper-super-megatollen Abwassersammler brauchen. Mit Mannloch, Treppen innen drin und allem Schicki-Micki (ja, ich find das ist unnötig und „freue“ mich schon auf die Rechnung!).

Dass die Arbeiter ihren Müll mit ins Loch geworfen haben passt da ins Bild… Und dann wäre da noch, dass ich Dusselkopp bei der Frage wie das verfüllt wird gesagt habe „Warum mit Erdaushub aus dem LKW auffüllen, unser Gewölbekeller ist doch voll!“. Deswegen „darf“ ich nun wie blöd („warum nur wie blöd – das ist blöd!“ hör ich da schon!)  mit „Hilfe“ von Nachbarskindern und echter Hilfe von Nachbarn Erde-Lehmgemisch aus dem Gewölbekeller-Loch schaffen und damit die Löcher verfüllen. Könnte länger dauern…

Fast vergessen: Die Buddelei bedeutet auch, dass wir im Ruinchen nun endlich „eigenes“ Wasser haben – viele herzlichen Dank nochmal an Anja für das „Wasser-Leihen“ seit Juni 2010  – wie sollen wir Dir das Wasser denn zurückgeben? 😉

[Nachtrag 28.8.]

… und hier ist auch noch der Artikel den wir für den Holznagel geschrieben haben: Neue Bleibe gesucht – Herausforderung gefunden. Und unser Ruinchen ist gleich zweimal auf dem Deckblatt! Na, wer findet’s? 🙂

Und ich hatte vergessen zu berichten, dass ich Lehmstein-Nachschub besorgt habe: gut 1 1/2 Paletten Claytec Leichtlehmsteine, günstig bei ebay „geschossen“:

Unser Anhänger – mit 100er Zulassung, bei längeren Strecken wirklich sinnvoll! – war komplett voll, der Rest der Steine musste in den Kombi, auch um den Anhänger nicht zu überladen. Uff!

8 comments to Tag des offenen Denkmals 2011 – und ein bisschen mehr (aktualisiert)

  • Anja

    Als Wasser-Entlohnung habe ich noch einmal leckeres Grillgut zu meinem Richtfest gut, finde ich. Oder? Meinen Gewölbekeller braucht ihr jedenfalls nicht mit eurem „neuen“ Wasser fluten….

  • […] ist Dreck dagegen” habe ich die letzten Tage immer wieder gedacht. Ich hatte ja schon berichtet, dass ich Döspaddel beschlossen habe, das Loch im Vorgarten selbst aufzufüllen. Obwohl ich jeden […]

  • Hallo zusammen,

    sher schöner Artikel. Ich kann euch nur bestärken, weiterzumachen. Mein Architekt würde da ja auch prima reinpassen. Allerdings kann er auch ENEV Häuser mit traditionellen Materialien noch ganz gut unter einen Hut bringen. So haben wir das dann gemacht, nachdem uns ein Jahr keine bezahlbare Ruine unterkam.
    Unsere Lehmstatistik sagt:
    44 Tonnen Lehmputz
    12 Tonnen Lehmsteine (Decke zwischen EG und OG)
    10 Tonnen Leichtlehmsteine (einige Innenwände als Fachwerk)
    4 Tonnen Lehmsteine (zwischen den Lagerhölzern im EG)
    1.5 Tonnen Stampflehm (Wand im OG)

    Ggf. könnten wir die Websites ja verlinken.
    Grüße

  • Hallo Matthias,

    Euren Blog lese ich schon länger per rss-Feed – nett dass Du hier schreibst! Kann es aber sein dass Euer Server grade „klemmt“?

    Mit dem ganzen Lehm den Ihr verbaut hat, kann man sicher einige fette Golems bauen 😉

    Viele Grüße

    Dirk

  • Wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen der Sweite hier und netrogue? Ist das eher das Gleiche?

    Und: wie lange meint ihr trocknet euer Lehmboden so? Wir hatten ja damals im OG auch lange überlegt, wie wir das mit den Lehmeinschüben machen. Letztlich haben wir uns für Lehmsteine + eine dünne Schicht Lehmputz entschieden. Der Archi wollte eigentlich erdfeuchten Lehm komplett einfüllen. Da konnt ich mir aber nicht vorstellen, das das dieses Jahr noch trocken wird.

  • Na, bei http://www.netrogue.de schreiben Nicole und Ole, hier Angelika und Dirk. Aus Sicht „normaler Bauherren“ könnte man unsere Sanierungs-Projekte für das Gleiche halten, es gibt da aber doch schon einige gravierende Unterschiede 😉

    Für die Lehmeinschübe fragst Du im falschen Blog, bei uns sind die aktuell nicht geplant. Wir gehen bisher davon aus dass wir die bestehenden Deckenaufbauten halten können – in fast allen Decken sind alte Lehmsteine oder Lehmstaken eingebaut.

  • ja ich habs grad auch festgestellt. 🙂
    Dann werde ich dort mal fragen.

  • Ole

    Wir haben unsere Decke mit einer dünnen Schicht (3-5cm) trockenem Lehm und dann mit feuchtem (10-12cm) aufgefüllt. Das hat einige Wochen gedauert bis es durchgetrocknet war aber die Schallisolierung ist phänomenal. Ganz nebenbei bemerkt scheitert auch Bluetooth an der Decke 🙂

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