20 Tage, 20 Nächte. Oder: Wir machen blau.

Nun ist das letzte Update schon wieder 20 Tage her, da müssen wir doch mal einen Patch nachreichen. (Und blau? Das kriege ‚mer später!)

Fangen wir mal an… mit grün: Dank schönem Wetter wollte ich ja endlich wieder die Gefache auf der Straßenseite weitermauern. „Wollte“? Jepp. Denn unser Alligator hat diesmal nicht nur Zahnschmerzen – das kennen wir ja schon – sondern er ist irgendwie zum Sumpfdrachen mutiert und hat jämmerlich rumgeknurrt, gequietscht als würde man seinen Schwanz mit dem Vorschlaghammer plattkloppen – und dann hat er fiese Funken gespuckt und gestunken. Aus. Baumarkt und Alligator-Hersteller haben den Kleinen dank Garantie aber kostenlos geheilt repariert. Hat keine zwei Wochen gedauert, nun ist er wieder da. Super.

Nur: Zwei Wochen ohne Lehmbauen? Und das bei schwersten Ruinchen-Entzugserscheinungen? Deswegen bin ich nach dem Abgeben des grünen Sägewunders wie bei Reinhard Mey’s „Männer im Baumarkt“ von Regal zu Regal geschlichen. Und wieder zurück. So wie Tiger im Käfig. Leihgerät? Gibts nicht. „Kaufen Sie doch das 50 Euro Billigding und geben’s in zwei Wochen wieder zurück!“ Hallo?! Ich hätte nicht gedacht dass so ein Tipp vom Baumarkt-Mitarbeiter kommt. Noch ne Elektrosäge kaufen – und dann später zwei haben? Bringts auch nicht. Der Jungingenieur schwört auf eine kleine – jetzt stumpfe – Säge, er hat aber auch viel mehr Geduld als ich, da muss man ewig auf den Steinen rumschrubbern. (Ja Anja, Dein Sohn hat bei manchen Sachen tatsächlich viel Geduld!)

Die Lösung ist dieser handbetriebene schwarze Alligatorersatz:

Sprich: Eine billige (weniger als 6 Euro, Ersatzsägeblätter weniger als 3 Euro) Bügelsäge mit 45cm 60cm Sägeblatt. Das Ding hat richtige Zähne. Wahrscheinlich bricht mir eher das Sägeblatt, als dass die Zähne weg sind. Stumpf sind die natürlich sofort, aber darauf kommts bei Lehmsteinen nicht an – da geht es nur um Abtrag. Hätte ich das Ding früher ausprobiert, dann hätte ich den Alligator nicht gekauft! Deshalb werde ich unseren grünen Sumpfdrachen-Alligator Mutanten jetzt sauber einlagern und ihm keine Lehmsteine mehr vorsetzen. Und Lehmsteine weiter mit dem schwarzen Lehmsteinspezialgerät zuschneiden.

So. Nun hatten wir grün und schwarz. Was ist denn jetzt mit blau?! An „blau“ ist der schwarze Mann schuld (ich hätte den Artikel doch „Ein Kessel Buntes“ nennen sollen…).

Michael liegt mir seit mindestens einem Jahr in den Ohren, dass „ein echter Mann“ einen Kompressor braucht. Unbedingt! Und deswegen schickt er mir immer wieder Sonderangebote zu. Beim letzten Schnäppchen hatte er mich schon so weit, dass ich zum Baumarkt gefahren bin. Nur hatte der wegen Inventur zu. Mist auch! Aber jetzt hat es geklappt. Dank „Unser Baumarkt wird 300 Jahre alt“ oder so gab es  das „Güde Druckluft Kompressor Set 210/08/24 BC 12tlg“ für 88 Euro. Dazu dann noch ein Druckluft-Nagler, der Nägel und Klammern schießen kann – et voilà: blau!

Im Hintergrund sieht man übrigens etwa die Hälfte des Lehmschnäppchens von dem Angelika schon berichtet hat.

Für’s nächste Ruinchenprojekt würde ich wie oben geschrieben wohl keinen Alligator mehr kaufen – aber auf jeden Fall wieder einen Kompressor! Michael, Du hattest vollkommen Recht: Das Ding hätte ich viel früher kaufen sollen! Ich habe 1001 Nagel krumm gekloppt beim Versuch, Eichenholzdreikantleiste und Eichenfachwerk zu verbinden. Besonders das uralte Eichenholz ist eine wirkliche Herausforderung beim Nägel-Einschlagen. Mit dem Kompressor geht das ratz-fatz! Ok, und ganz schön laut – ich hoffe es ruft niemand die Polizei wegen „Schußwechsel am Kirchplatz“  😉

Und noch ein blaues Güde-Gerät ist uns heute „zugeflogen“:

Nicht neu aus dem Baumarkt, sondern einige Jahre alt über ebay-Kleinanzeigen. Auf dem Karton erkennt man: Es ist ein „Radial Fliesenschneider TPR 230P“, mit 900 Watt, taugt für große Fliesen. Und natürlich mußte ich damit sofort irgendwas ausprobieren die Qualität an einem dringend notwendigen Sanierungsdetail prüfen:

Sie sehen „Cotto avec Ratté“. Man kann mit dem Nassschneider tatsächlich wie geplant aus Biberschwanz-Ziegel so was wie Cotto-Fliesen schneiden. Für den Versuch habe ich einfach bunt durch den Garten (ich hab’s heute mit Farben…) alte Ziegel vom Dachboden geholt. Man sieht dass die Ziegel sehr unterschiedliche Effekte geben werden. Welche Räume wir mit unseren Biberschwanz-Cotto auslegen? Mal sehen – was sagt Ihr dazu?

20 Tage, 20 Nächte? Ja, auch Nächte, denn wir mussten recht viel Papierkram erledigen. Aber hoffentlich ist endlich ein sehr wichtiger Schritt abgeschlossen: Grade noch rechtzeitig um vor dem 1. April die alten Regelungen zu bekommen habe ich diese Woche die Kreditanträge für den KfW- und den konventionellen Kredit unterschrieben. Bitte Daumen drücken! Technisch interessant: Unser Haus erreicht durch die neue Dämmung tatsächlich den KfW Effizienzhausstandard 100 für Neubauten! Allerdings liegt unser Ruinchen bei der Primärenergie etwa 30% über dem 100er Neubaustandard, den 100er Altbaustandard schafft es locker. Ein Mikro-BHKW – über das ich ja schon lange nachdenke – reduziert den Primärenergiebedarf so stark, dass wir ganz locker auch den 100er Neubaustandard schaffen. Cliffhanger: Lesen Sie weiter mit, es bleibt sehr spannend wie wir das Ruinchen wirklich am beim Einzug beheizen werden…

Und um wieder mal eine gruselige spezielle Überleitung zu bringen: Richtig gute Cliffhanger gibt es auch im Artikel in der Giessener Allgemeine und der Alsfelder Allgemeine zu unserem Ruinchen, der letzten Samstag erschienen ist. Und den man hier lesen kann (Sonderbeilage Drinnen & Draußen der „Giessener Allgemeine Zeitung“, 24. März 2012, Redaktion Christine Littau-Rust). Darin verspricht die Verfasserin den Lesern weitere Informationen über unser Projekt bis zum Einzug. Und die Leser sind so neugierig, dass letzten Sonntag die ersten Abonnenten am Bauzaun standen, um sich unser Ruinchen anzuschauen.  Dass Angelikas Entwurf in der Zeitung ganz besonders bunt abgebildet ist, passt dann doch wirklich zu diesem Artikel, oder?

11 comments to 20 Tage, 20 Nächte. Oder: Wir machen blau.

  • Jane

    Hello there. I am very interested in your blog, as I think the Johan Jacob Rupp that used to live in your home is an ancestor of mine! Do you happen to have any other information related to the history of the house? Thank you very much. It looks beautiful!

    Jane Rupp

  • Jane

    Hallo dort. Ich bin an Ihrem Blog sehr interessiert, wie ich denke, dass der Johan Jacob Rupp, der pflegte, um in Ihrem Haus zu leben, ein Vorfahr von meinen ist! Geschehen Sie, irgendein anderes zu haben, das zur Geschichte des Hauses informationsbezogen ist? Vielen Dank. Es schaut schön!

    Jane Rupp

  • Anja

    Dirk, bei destruktiven Dingen hat der Jungingeneur immer einen langen Atem. Aber bei der Konstruktion oder gar der Selbstorganisation….

  • Nein, nein, das geht schon drum Sachen aufzubauen – dass man fürs Gefache-Mauern Lehmsteine zersägen muss ist nicht mal ansatzweise so destruktiv wie Schornsteine umschubsen 😉

  • Angelika

    Es kommt wirklich arg bunt rüber, aber who cares… es ist bald Ostern. 😉 Paßt im übrigen doch zu Dirks „blauer Phase“ im Werkzeug-Park. Und solange er nicht BLAU zur Nationalfarbe und zum Pflichtzustand erklärt, nur noch den „Blauen Reiter“ gibt und auf blaue Augen steht, moppere ich nicht rum. Ok, eine Affinität zu blauen Flecken und Fingernägeln ist ihm nicht abzustreiten, aber das sind doch noch peanuts.
    Gegen blauen Himmel hab ich auch nichts einzuwenden – solange es dabei knackekalt ist. Jo.
    Im Flieger von Amsterdam war heute auch mindestens der Co-Pilot blau. Die Landung war… also das üben wir jedenfalls noch!!!

    Ich bin gespannt, ob das Ruinchen mal zum Ausflugsziel der Gießener wird… aber DANN nehmen wir Eintritt!!! Nur blaue Scheinchen!!! 😉

  • Nachtrag: Der Alligatorersatz hat ein 60er Sägeblatt, wie ich heute feststellen musste, als ich das 45cm Ersatzsägeblatt einbauen wollte. Weil die Schärfe der Zähnchen doch tatsächlich Einfluß auf den Muskelkater hat, den man sich beim Lehmsteinesägen erarbeitet. Wobei das auch sehr von den jeweiligen Lehmsteinen abhängt, erstaunlicherweise lassen sich Lehmsteine vom exakt gleichen Typ aber aus unterschiedlichen Lieferungen recht unterschiedlich gut sägen. Man(n) lernt nie aus…

    Und heute stellte sich auch heraus, dass der Zeitungsartikel nicht nur in der Gießener Allgemeinen Zeitung, sondern auch in der „Wochenpost“ und der „Wetterauer Zeitung“ erschienen ist. Cool 😉

  • jogi54

    alle Welt würde die (Lehm-)Steine mit einem großen Winkelschleifer mit 230mm Diamantscheibe schneiden, wieso quälst du dich mit sägen ab ???

    LG jogi

  • Naja, irgendwie gibts da unterschiedliche Techniken und Geschmäcker. Wir haben ja nur eine kleine 125er Flex, die ich ungern in Lehmstaub baden möchte. Andere Häuslebauer nutzen eine coole Bandsäge, wieder andere kloppen mit dem Hammer auf den Steinen rum.

  • Kerstin

    Hey,

    schön, dass ihr den Antrag noch rechtzeitig einreichen konntet. Ich hoffe ja, dass ich inzwischen fündig geworden bin bei der Expertensuche. Morgen wird auf jeden Fall der Kaufvertrags fürs Haus unterschrieben.

    LG,
    Kerstin

  • […] Auszug aus den aktuellen Such-und Finder-Spielchen: Mutanten Nägel Pflaster Fetisch Wurzeln im Haus Wie viel Krat [sic!] solls am 27 […]

  • […] liegen jetzt gut 1,40 x 2,00 Meter aneinander-gepuzzelte Bieberschwanz-Ziegel a la Cotto – erst ein Anfang, wenn wir wirklich Flur, Gästebad und Gästezimmer damit auslegen wollen. […]

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