1001 Einblick – oder: Fensterln mal anders

Wie letztes Jahr sind wir am Wochenende mit Hausforschern und Fachwerkhaus-Liebhabern – aka Arbeitskreis für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland und  Interessengemeinschaft Bauernhaus – „auf Tour“ in und um Clausthal-Zellerfeld gewesen.

Und wie in Hummersen habe ich wieder viel rumgeknurrt – fast wie einige der Fratzen an der Bergapotheke in Zellerfeld (nicht in Clausthal!).

Wobei diesmal fast nie das verschandelte Fachwerk Schuld war – das ist im Oberharz meist verschindelt. Deswegen gings bei der Tagung auch um „Historischen Wetter- und Brandschutz am Fachwerk“. Diesmal waren die Fenster schuld. Oder eigentlich wie in Hummersen die Banausen Baumarkt-Sanierer Bauschaum-Reiter Eigentümer.

Dabei gibt es in Clausthal wie auch in Zellerfeld viele interessante Häuser. Die genauso bunt sind wie der Regenbogen, der ganz typisch ist für das Sauwetter charakteristische Wetter im Oberharz.

So haben wir dieses Wochenende (wohlgemerkt: 20.-22. April, in Frankfurt blühts!) in C-Z und Umgebung: Sonne (selten), Regen (häufig, verschiedene Stärken von nasser Nebel bis Wolkenbruch), Hagel (drei Mal) und Schnee (lag nur rum auf dem Weg nach St. Andreasberg).

Ja, solche Fenstercreaturen Fensterkreationen sind natürlich nicht Harz-spezifisch…

… dieser spezielle Oberharzer-Fenstertyp allerdings schon:

Ok, diese Fensterkonstruktion wurde in England abgeschaut, das aber schon Anfang des 18. Jahrhunderts. Dieser wunderbare Apothekeneinblick – mit schönen alten Fenstern – findet sich übrigens im Dachgeschoss der Bergapotheke mit den fiesen Fratzen. Und auch als „normaler“ Kunde kann man die wunderbare alte Apothekeneinrichtung im Erdgeschoss bewundern – und bei dem Schietwetter in Clausthal-Zellerfeld findet man sicher eine Ausrede einen Grund, ein paar Hustenbonbons zu kaufen 🙂

Und so sieht man mich als Rumpelstielzchen beim Anblick dieser wunderbar praktischen „Oberharzer-Fenster“:

Klar, man kann in einen Kristalllüster aus dem 18. Jahrhundert auch Energiesparlampen reinschrauben, das spart Strom und man kann das Gelump auch viel besser mit’m Hoover absaugen als die ollen Wachskerzen. Wobei sogar Hausbesitzer, die sich Mühe bei der Sanierung machen und Fenster-Verzierungen nachmalen lassen, Kunstofffenster mit „Sprossen in Aspik“ einbauen lassen.

Ich befürchte, dass in Clausthal-Zellerfeld nur noch ein Fünftel der Fenster aus Holz sind – der Rest wurde von erfolgreichen Plastefenster-Vertickern aus dem Stadtbild getilgt. Engobierte (glasierte) Dachpfannen, Dachflächenfenster und co. passen perfekt ins Bild.

  

Eigentlich fehlen da nur noch ein paar Satellitenschüsseln und Plaste-Verkleidungen, oder?

So, nun aber genug geknurrt! Denn es gab auch viele nette Gespräche, interessante Erkenntnisse – und spannende Einblicke. So wie diese Blicke in einem Haus in Clausthal, welches der Besitzer sehr aufwändig restauriert hat.

Natürlich können Experten auch hier die Restaurierung und Zusammenstellung der Möbel unterschiedlich bewerten – aber hej: Ich bin grade nur auf dem Kreuzzug gegen Plastefenster in Denkmalen  😉 Und natürlich auf der Suche nach Einblicken…

Links ein Einblick in eine Fachwerk-Struktur – quasi ein „Fenster in die Vergangenheit“ – und damit eine Idee für’s Treppenhaus im Ruinchen. Rechts ein weiterer der Spiegel-Einblicke des Wochenendes mit musikalischer Reflektion. Unreflektiert der Einblick auf „Das Veilchen“ vom alten Goethe, der natürlich auch in Clausthal-Zellerfeld war.

Etwas weniger kulturell relevant, aber auch hier blitzt das gleiche Thema wie beim Veilchen irgendwie durch:

Hier handelt es sich laut des Fachexperten um eine historische Kammer einer Domestikin (ich glaube nicht, dass sie auf dem Foto abgebildet ist) in einer Treppe eines der besichtigten Häuser. „Da bewahrt unser Elektriker seine Schätze – Schalter und Kabel – auf!“ – ah ja…  😉

1 comment to 1001 Einblick – oder: Fensterln mal anders

  • Ralph Hobein

    Hallo Zusammen,

    auch wenn dieser Beitrag schon ein wenig älter ist, so spricht er mir doch aus der Seele….;-)

    Kunststofffenster in alten Fachwerkhäusern geht garnicht, am besten noch in Übergröße und dafür das Fachwerk großzügig umgebaut…. =:-(

    In dieser Hinsicht sind viele schöne Häuser, auch bei uns „auf’n Dorf“ furchtbar verschandelt worden.

    Ich persönlich mag die innenliegenden Sprossen auch überhaupt nicht, aber die Besitzer haben sich wenigstens „bemüht“..;-)

    In meinem Fachwerkhaus bin ich gerade dabei die Sünden der Vergangenheit zurück zu bauen und die Fenster wieder passend zum Haus zu gestalten..

    Vielen Dank für die informative Seite(n)..

    Gruß und weiterhin gutes Gelingen
    Ralph

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