hör-mal im Denkmal…

… ist eine sehr schöne Veranstaltungsreihe der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, bei der rund um den Tag des offenen Denkmals Klassik und Kleinkunst präsentiert wird in Denkmälern (der Duden erklärt der Plural von Denkmal ist „Denkmäler, gehoben: Denkmale“ – wieder was gelernt).

Es wäre natürlich super-spannend, so ein Konzert ganz offiziell im ehemaligen Ruinchen zu veranstalten – aber Musik im Denkmal können wir auch so! Aber von Anfang an…

Gestern kam erst der Chef der Butzbacher Zeitung vorbei – schon wieder gab’s Fotos! Herrn Gratzfeld entkommt man nicht, auch wenn man erst das Saftglas aus der Hand stellen will: „Nein, nein, halten Sie das mal so und bleiben Sie da stehen – das schaut gut aus!“. (Mist, ich hätte den Bauch einziehen sollen! 😉 )

Butzbacher Zeitung vom 12. September 2016Dreimal in der Zeitung in weniger als einer Woche – ja, ich geb‘ zu dass ich mich drüber freue! Wer in Butzbach immer noch nicht mitbekommen hat, dass man sich am Tag des offenen Denkmals schon zum siebten Mal anschauen kann was man aus einer „1-Euro Schrottimmobilie“ machen kann, ist offensichtlich nicht Abonnent der BZ oder liest nur den Sportteil ;)…

Offenes Denkmal 2016

Dieses Jahr kamen die Besucher gefühlt noch mehr in Wellen – mal gab’s Gedränge vorm Fernseher mit den Fotos und Fragen um Fragen, mal hatte ich Zeit für eine Kaffeepause mit netten Freunden und Bekannten. Tisch und Stühle standen vorsichtshalber nicht auf der Terrasse, sonst wäre bei der offenen Falltür noch irgendwer reingeplumpst.

Übrigens gab’s dieses Jahr ein Novum: Zwei Familien wollten mir mein Haus abkaufen. „Also wenn Du irgendwann mal verkaufen willst, rufst Du uns zuerst an!“. Ich hoffe sehr, dass ich nicht so schnell anrufen muss, sondern mein ehemaliges Ruinchen möglichst lange genießen kann!

Bei dem wunderschönen Wetter gab’s viele Besucher, die geplant – Ankündigung in der Butzbacher Zeitung, der Zeitung vom Landesamt für Denkmalpflege, der Webseite der Stadt oder auch dem Holznagel der Interessengemeinschaft Bauernhaus – oder ungeplant hereinschauten: „Oh, dürfen wir da mal rein schauen?“ „Klar, warum sonst hab‘ ich bis spät abends Fenster geputzt [einen vertikalen Streifen im Scheunentor außen vergessen…] und bis kurz vor elf gesaugt und gefeudelt?!“ Hab‘ ich natürlich nicht gesagt, nur gedacht! [Firefox kennt „gefeudelt“ nicht und schlägt stattdessen „gesudelt“ vor – woher wissen die wie schlecht ich Fenster putze?] Zu meinem Glück sieht man aber auf dem Foto den gesudelten Scheunenfensterstreifen nicht…

Fassade am 11. September 2016Um aber jetzt den wieder einmal recht gewagten Bogen zurück zum Thema zu finden: Frage Nummer 1 des TdoD 2016 war: „Was machen Sie denn mit dem Gewölbekeller?“. Einfache Antwort: „Backsteine auf dem Boden verlegen!“. Kompliziertere Antwort: „Ich weiß es echt nicht. Nun ist er halt da und ausgebuddelt. Vielleicht machen wir mal drin Musik? Da passt sicher ein Alphornquartett rein!“ Mal sehen ob und wann das mal klappt, Musik und Wein im Keller fänd‘ ich schon cool. Und weil’s unten immer „cool“ ist, mit warmen Sachen selbst bei so schönem Wetter wie gestern.

Und wir hatten dieses Jahr auch schon Live-Musik! Vorgetragen von der Nachbarstochter, die mit erst fünf Jahren selbstbewusst die Besucher unterhalten hat. Zuerst hat sie eine Privatführung durch das ganze Haus erbettelt erbeten – „Darf ich da hochgehen?“ „Klar, geh‘ einfach an der Absperrung vorbei!“ „Kommst Du bitte mit……?“ (Soooo mutig war die junge Dame dann doch nicht 😉 ). Einige Stockwerke und hohe Treppen später fand sie das Klavier im Esszimmer: „Du hast ein Klavier?!“ [Manchmal kann ich Gedankenlesen…] „Ja, magst Du mal spielen?“ „Ooooh jaaa!“ [Die Künstlerin nimmt auf dem Hocker Platz] „Hast Du auch Noten?“ [Nein, die junge Dame kann weder Klavierspielen noch Notenlesen – zumindest nicht im klassischen Sinne] [Noten hingestellt] „Zeigst Du mir wie das geht?“ [etliche Töne und sogar kleine Akkorde später] „Gut, aber jetzt spiele ich ein anderes Stück!“

Die schmunzelnden Besucher durften dann erstaunlich lange zuhören, wie die Künstlerin frei vor sich hin Töne anschlug und „Melodien“ anstimmte, die deutlich leichter hörbar waren als Free Jazz oder Schönberg. „Ihr dürft jetzt tanzen!“ – etwas später traurig-trotzig „Warum tanzt Ihr denn nicht?!“ Dieser sehr deutlichen Ansage konnten vier Besucherinnen nicht widerstehen und tanzten im Kreis durch mein Esszimmer. Allerdings machte die junge – und offensichtlich geschäftstüchtige – Pianistin dann den Tänzerinnen klar, dass sie ja wohl für die Musik zahlen müssen. Kostenlos tanzen gibt es bei ihr nicht! Und daraufhin zog die Lütte kurz darauf mit 8 Euro „Gehalt“ von dannen… ich brauche wohl doch die Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung, damit die junge Künstlerin nochmal in meinem Haus auftritt!

2 comments to hör-mal im Denkmal…

  • Familie W.

    Hallo Dirk,

    seit fast 2 Jahren sind wir regelmäßig hier zu Besuch um zu sehen was es Neues gibt.

    Eigentlich hatten wir fest eingeplant uns dieses Jahr ins Auto zu schwingen und 3 Stunden von uns bis Butzbach zu fahren um dem Ruinchen am Tag des offenen Denkmals einen Besuch abzustatten und uns das Kleinod mal in echt anzusehen.
    Leider hat uns das Töchterchen dann mit Fieber einen Strich durch die Rechnung gemacht. 🙁

    Mein Mann interessiert sich vorallem für den KNX-Bus im Altbau und hätte dich dazu gerne etwas gelöchert. 😉

    Wir haben kein Ruinchen dafür aber ne halbe Ruine und versuchen in Eigenleistung etwa 300 qm Altbau (BJ min. 1880) bewohnbar zu machen.
    Momentan sind wir mit entkernen fast durch.

    Nun aber zum eigentlichen Grund für unseren Eintrag:

    BIST DU NÄCHSTES JAHR WIEDER BEIM TAG DES OFFENEN DENKMALS DABEI?

    Hoffnungsvolle Grüße ausm Schwabenländle

    Andrea und Michael

  • Liebe mir bisher leider noch unbekannte Familie W 🙂

    Wenn’s irgendwie klappt öffne ich mein Haus gern am Tag des offenen Denkmals 2017 – den 10. September 2017 könnt Ihr jetzt schon mal in den Kalender schreiben. Aber Ihr und andere Blog-Leser könnt auch gern mal zwischendurch reinschauen, meldet Euch dazu bitte ein paar Tage vorher per Mail, dann kriegen wir das schon irgendwie hin.

    Viele Grüße ins Schwabenländle,

    Dirk

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