Spannender Blick hinter die Kulissen…

… oder offenes Denkmal mal ganz anders: Der Hessische Rundfunk war da! Zum Glück nur mit einem sehr kleinen Team – Regisseur, Kamerafrau und Tonmann. Bei „Herrliches Hessen“ in Butzbach waren bis zu 16 Personen gleichzeitig am Set! Aber auch so gab’s einiges hin- und her zu schieben, um meinen Kruscht & Krempel, hellblaues HR-Auto, Falschparker und Filmtechnik aus dem Bild zu räumen.

Hier nur ein Bruchteil der Filmtechnik – für eigene Fotos vom Filmteam hatte ich keine Zeit & Ruhe:

Schon vor fünf Jahren war ja der Hessische Rundfunk für einen Radiobericht da, aber Fernsehen ist ganz anders… aufregender… deutlich mehr geplant und – noch viel mehr als ich geahnt habe – gestellt.

Im Nachhinein ist es logisch dass so viel gestellt ist, wenn man gemütlich im Schaukelstuhl eine Dokumentation schaut, passt jeder Puzzlestein zusammen. Ist man aber Teil vom Puzzle, wird’s etwas komplizierter… und stellt man sich als Laiendarsteller dappert an, wird das ganze Puzzle für die Profis am Set und beim Schnitt noch viel komplizierter 😉

Uli Pförtner von GILDE – film & tv produktion, der den Film für den HR als Regisseur betreut, Kamerafrau und Tonmann vom HR waren aber sehr geduldig und hatten wohl auch Spaß am Dreh in Butzbach – und Stollen, Kaffee & leckerem Nudel-Mittagessen bei Da Rosetta. Der gesamte Film dauert am Ende 45 Minuten und handelt von mehreren ungewöhnlichen Häuserprojekten in Hessen, nur etwa fünf Minuten davon zum Ruinchen. Allein dafür waren zwei Drehtage und noch zwei-drei Stunden mehr nötig. Ganz schön viel Aufwand! Aber was wird man – vielleicht – sehen, wenn der Beitrag gesendet wird?

In den Vorbesprechungen und hier im Blog hat Uli Pförtner Ideen gesucht, wie er das Ruinchen-Sanierungsprojekt vorstellen kann. „Wir wollen ja zeigen, dass die Sanierung voran geht – was ist denn noch zu tun?“ „… hmm… ich hab‘ mich noch nicht getraut Bilder an die Wand zu hängen… wegen der Wandheizung… mit der Wärmebildkamera müsste es aber klappen dass es nicht spritzt…“ „Perfekt! Dann drehen wir das!“

Erster Versuch was man im TV-Kamerabild erkennt? Der Regisseur mit Mandarinenscheibe beim Kaffeetrinken 🙂

Dann wurde im Arbeitszimmer ein klitzekleines bisschen umgeräumt – „Ach, das Häuschen ist aber schön, das kommt auf die Fensterbank… und das Telefon passt gut ins Bild… naja, ein paar der Umzugskartons und das BUND-Buch müssten da schon weg…“

Damit ich nicht gerade vor der Kamera das erste Mal die Wandheizung perforiere, habe ich vorher mit der Wärmebildkamera die „richtige“ Stelle für den Nagel gesucht (Regisseur & Kamerafrau „Jau, da schaut das gut aus, das ist die Mitte!“) und leicht mit Bleistift markiert – so war’s einfacher danach zufällig die richtige Stelle zu finden 😉 Vor der laufenden TV-Kamera dann den Finger kurz auf die Wand gelegt – wie wir wissen zufällig an die richtige Stelle – und dann mit der Wärmebildkamera nachgeschaut: Perfekt! Genau zwischen die Wandheizungsschlangen getroffen! Da hauen wir doch den Nagel rein! (In der Realität hätte ich die Stelle nicht wiedergefunden, aber dank Bleistiftpunkt…) Hammer in die Hand, Nagel an die Wand, klopf, klopf…

„Das war schon sehr gut! Aber könnten Sie den Hammer ein bisschen schneller hoch heben…?“ Dazu verschiedene Einstellungen, mal nah dran, mal weiter weg – so weit man halt in meinem kleinen Arbeitszimmer kommt. Und so hing irgendwann das – tatsächlich! – erste Bild an der Wand, dokumentiert vom Hessischen Rundfunk:

Man beachte Häuschen, Telefon und besonders ein paar Insel-Büchlein, die völlig unpraktisch aber stimmungsvoll die Szene bereichern 😉 Hauptdarsteller ist aber die Federzeichnung-Collage „Sicherlich kein aggressives Untier: in seiner Psyche überwiegen die auf Friedfertigkeit hinweisenden Merkmale bei weitem.“ von „Petit Frère“ – Werner Pöschel aus Bethel / Bielefeld – einem Freund meiner Großeltern. Eigentlich sollte Petit Frère’s Schweinchen – „Das große Glück, in 17 handliche Portionen zerlegt (nach Henriette Davidis) für G. V.“ – diese Ehre zuteil werden, aber die dafür ausgesuchte Stelle war leider nicht geeignet für den Dreh. So wurde das „Schweinchen“ das zweite Bild in meinem Ruinchen – am Lieblingsplatz über meinem Klavier:

„Und was müssen Sie sonst noch machen?“ „… hmm… ich will die neuen Wände im Gewölbe verputzen…? Ich hab‘ noch nie verputzt…“ „Sehr gut! Da sind wir dabei!“ Zum Glück hat mich mein „Nachbar um die Ecke“ Frank Beine tatkräftig unterstützt – da er Malermeister und Serien-Ruinchensanierer ist, fällt hoffentlich der Putz nicht gleich vor der Kamera ab… Beim „Putzen ist angesagt!“ Foto vom letzten Beitrag sieht man daher sein Material – Mischer, Mini-Gerüst und Putzspritze vor dem Einsatz.

Beim Dreh haben wir nur ein bisschen Putz an die Wand gebracht und geschwätzt – „Reden Sie doch mal miteinander, warum Sie das so machen…“ „…äääähm… Frank, warum machen wir das so…?“ – nach dem Dreh habe ich dann mit Frank’s Werkzeug weiter experimentiert:

Mit dem „Putzspritzdingsdums“ für Franks Kompressor blieb zum Glück recht viel Putz an der Wand und nur relativ wenig Putz an mir…

… aber nach den „Ich werf‘ den Putz mit der Kelle an die Wand“-Versuchen am Treppenabgang (im Bereich Kellerdämmung) habe ich keine Fotos gemacht (war zu peinlich, 2/3 Putz auf dem Boden oder im Gesicht…). Für den Rest der Treppenabgangswand muss ich wohl noch ein paar Kilo etwas Putz anrühren und rumschmeißen professionell applizieren.

Vor all‘ den „Arbeits-Szenen“ gab’s am ersten Tag ein kurzes Interview, auf das ich mich nicht so sehr gefreut hatte. Erstaunlicherweise war aber auf einem Sitzsack rumsitzen und auf Fragen des Regisseurs antworten ziemlich easy. Viel schwieriger: x-mal eine Treppe hochlaufen, im richtigen Moment nicht in die Kamera sondern auf das linke Ohr der Kamerafrau schauen und irgendetwas halbwegs sinnvolles sagen, zu dem was der Regisseur gerne im O-Ton hätte…? Treppe-Laufen kann ja sooo kompliziert sein…

Nächster Level: „DAS war jetzt ECHT gut! Wir drehen das gleich nochmal [im Detail, aus der Perspektive, mehr Licht, bei Mondschein, mit oder ohne Wolpertinger] – sagen Sie bitte nochmal genau das gleiche!“ „… äh… was habe ich denn gerade gesagt?!“ „… egal, wir schneiden das schon irgendwie zusammen…“ [nein, das Film-Team hat hier nicht angefangen zu verzweifeln… vielleicht waren sie aber nahe dran…]

Noch ein Level mehr – mit weiteren Opfern Protagonisten: Netterweise hat sich die Kreis-Denkmalpflegerin aus Friedberg bereit erklärt für vielleicht 42 Sekunden Film mehrere Stunden nach Butzbach zu fahren. Völlig aus dem Leben gegriffene Szene: Ich schleppe einen Mörteleimer voll Wasser die Gewölbekellertreppe hoch, erblicke unerwartet die Denkmalpflegerin an der offenen Gartenpforte (weil das Ding blöderweise klemmt – ich habe den Zaun samt Pforte ja schließlich selbst aufgebaut!) und begrüße sie (die Denkmalpflegerin, nicht die Pforte). „Herr Hedderich, wir haben uns ja schon ganz lange nicht mehr gesehen!“ Beim dritten Versuch kann ich es mir nicht verkneifen: „Genau, schon fünf Minuten!“. Also vierter Versuch… Die Outtakes der zwei Tage hätte ich wirklich sehr sehr gerne!

Auch wenn ich keine Fotos vom Dreh gemacht habe – die Butzbacher Zeitung und OP waren natürlich dabei!

Die Butzbacher Zeitung hatte den Sendetermin zwar noch nicht, aber wahrscheinlich kommt der Film am 7. März 2017 im hr-Fernsehen. Keine Ahnung wie ich hier alle im Esszimmer unterbringe, aber ich würde mich freuen, den Film mit vielen Freunden anzuschauen – so wie bei Dina Kunze als „Herrliches Hessen“ mit ihr und ihrem Haus gezeigt wurde. Dazu hätte ich auch noch eine andere Idee… schauen wir mal…

Ps: Lieber Uli Pförtner, liebes Team vom HR, liebe Denkmalpflegerin, liebe Statisten: Falls ich das ein oder andere nicht ganz korrekt dargestellt habe – seht es mir bitte nach! Es waren sehr spannende Tage, da habe ich nicht jedes Wort präzise aufgezeichnet – vielleicht zum Glück 🙂

2 comments to Spannender Blick hinter die Kulissen…

  • Kurzes Update: Wahrscheinlich kommt der Bericht nicht im März, sondern am 11. April um 20:15.

  • Familie W.

    Hallo Dirk,

    gerade haben wir dich im TV begutachtet (und dein Haus 😉 ), uns wurde bestätigt was wir uns durch deine Schreiberei schon vermuteten: Sehr sympathisch der Herr Hedderich!
    Nur auf die „Nagel in die Wand“ – Aktion haben wir leider vergeblich gewartet.
    Ein schöner Bericht vom Ruinchen, der von uns aus gerne noch etwas länger hätte sein dürfen.
    Den Tag des offenen Denkmals haben wir uns für dieses Jahr fest in den Kalender eingetragen!

    Liebe Grüße ausm Schwabenländle

    Andrea und Michael

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